Hand gegen Koje: Vortrag ab einem Teilnehmer

Lukas war am Alten Anleger baden, mit den anderen Schutten. Bei elf Grad Außentemperatur und 13 Grad Wassertemperatur ziemlich bewundernswert.

Die Schutten, das sind die jungen Frauen und Männer, die auf Hallig Hooge bei der Schutzstation Wattenmeer ein Freiwilliges Ökologisches Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst ableisten. Die Schutzstation liegt auch auf der Hanswarft, wo unsere WG untergebracht ist. Das ist praktisch, so sind es nur zwei Minuten zum Vortrag „Die Nordsee hat Fieber.“ Ich bin die einzige Teilnehmerin. „Wir halten den Vortrag ab einer Person“, sagt Lukas und legt los. Das nenne ich Service. Vielen Dank, Lukas!

Leider hat Lukas ziemlich viel Beunruhigendes über den Klimawandel zu berichten, der sich im niedrigen Wattenmeer viel schneller vollzieht als in anderen Meeren. Das Wattenmeer ist Durchgangsstation für Zugvögel. Die werden von den Schutten regelmäßig gezählt und die Zahlen sind alarmierend. Wegen der steigenden Meerestemperatur ändert sich die Nahrungskette, deswegen haben die Zugvögel weniger Futter und werden weniger. Gleichzeitig wandern neue Arten ein.

Unsere „Hand-gegen-Koje“-WG hat sich in der Zwischenzeit komplett umstrukturiert. Babette und Thies sind unter allgemeinem Geheule abgereist, und Nachfolgerin Heike ist leider krank geworden und musste auch abfahren. So war ich einen Tag ganz allein. Ziemlich ungewohnt nach dem intensiven WG-Leben zuvor. Der Bürojob im Touristikbüro ist jetzt komplett abgeschrieben und ich werde wegen des Engpasses nur noch am Anleger sein. Die anderthalb Tage allein waren ganz schön stressig. Reisegruppen mit teilweise äußerst unfreundlichen Reiseleitern, die nicht kapiert haben, dass es hier auf der Hallig auf ein paar Minuten nicht ankommt. „Ich brauch jetzt meine Quittung, wir wollen schließlich hier weg!“ Äh, weg, wohin, Sie sind doch grad erst angekommen? Wie sagt Andreas so schön? „Dass Beste an Hooge ist, dass man hier so herrlich entschleunigen kann, weil man nix verpasst.“

Andreas aus Hamburg ist gestern vormittag eingetroffen und hat nachmittags gleich mit angepackt. Alter Hand-gegen-Koje-Profi, denn er war schonmal hier, wenn auch im Winter, wenn kaum Schiffe fahren. Da konnte er wegen Land unter erst drei Tage später anreisen als geplant. Viele Hand-gegen-Koje-Freiwillige werden vom Halligfieber gepackt und sind Wiederholungstäter. Lustigerweise hat Andreas vor vielen Jahren einmal bei der Gärtnerei Kriesten im Mahdental zwischen Stuttgart und Leonberg gearbeitet. Tja, die Welt ist klein.

Die letzten Tage waren sehr kalt, windig und jetzt schüttet es. Vor meinem Fenster rattern die vier Fahnen im Wind und machen einen Höllenlärm. Heute 22 Grad in Stuttgart? Wir schauen voller Hoffnung auf die Mitte der Woche, wenn es hier unglaubliche 18 (!!) Grad und den ganzen Tag Sonne (!!!) geben soll. Davor müssen wir noch Windstärke 10 am Dienstag über die Bühne bringen. Das kühle Wetter ist nicht gut für den Tagestourismus. Die Leute laufen ein wenig verloren im Regen auf der Hallig herum und merken schnell, dass ein Regenschirm hier ein ziemlich nutzloses Accessoire ist. Und hurra: Morgen soll es mal nicht regnen, ich habe einen freien Tag und werde Hallig-Fremdgehen! Bevor ich die Fähre nehme, müssen wir aber noch meine Hallig-Lesung planen.

http://www.schutzstation-wattenmeer.de/unsere-stationen/hooge/

Nein, leider sieht es im Moment auf Hooge kein bisschen so aus wie bei den Hobbits. Aber es soll ja besser werden.

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