Gelesen. Wolf Haas: Brennerova

Vor längerer Zeit habe ich Wolf Haas‘ Roman „Komm‘ süßer Tod“ gelesen und war schwer entzückt von seinem eigenwilligen Sprachstil, der nahezu ohne Verben auskommt. Ganz schlimm fand ich dann den hochgelobten Roman „Das Wetter vor 15 Jahren“ und habe mich deshalb über eine neue Geschichte in der Brenner-Serie gefreut. An der Sprachgewalt hat sich nichts geändert, trotzdem kann „Brennerova“ nur eingeschränkt überzeugen.

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Mit seinem Brenner hat Wolf Haas eine Kultfigur geschaffen, die längst ins Kino Eingang gefunden hat, erst im Frühjahr war „Das ewige Leben“ mit Josef Hader in der Hauptrolle zu sehen (den hat eine Freundin von mir übrigens mal im Renitenztheater gesehen und war total entsetzt von seinem humorlosen Auftritt, aber das ist eine andere Geschichte). „Komm, süßer Tod“ erzählte die makabren, lakonischen, bitterbösen Erlebnisse des Privatdetektivs Brenner, der als Fahrer eines Rettungswagens ständig über Leichen stolpert und beinahe selber zu einer wird.

In „Brennerova“ hat der Brenner seinen Job an den Nagel gehängt und widmet sich ganz seinem Privatleben. Das ist für die Handlung eher von Nachteil. Brenner lebt mit seiner Freundin Herta zusammen, bandelt aber gleichzeitig online mit der Russin Nadeshda an. Das ist sehr komisch erzählt, doch die Geschichte, die sich daraus entwickelt, ist reichlich verworren, und obwohl ich das Buch erst vor kurzem gelesen habe, weiß ich nur noch, dass es um die Unterwelt im Allgemeinen, Tatöwierungen, abgehackte Hände, die an falsche Menschen wieder angenäht werden (makaber, eben), und die Scheinheirat von Brenner und Nadeshda geht. Ach ja, Herta wird noch in der Mongolei entführt und der Brenner muss sie retten, was nicht so ganz klappt, weil sich die Herta in ihren Entführer verliebt hat. Stockholmsyndrom, halt.

Eingefleischte Haas-Fans und Liebhaber seines Schreibstils und sehr speziellen Humors kommen bei Brennerova trotzdem auf ihre Kosten.

P.S. Nicht nur im Pop, auch in der Literatur gibt es „One-Hit-Wonder“. Ein solcher war bisher der amerikanischen Autorin Harper Lee mit ihrem Weltbestseller „To kill a mockingbird“ (Wer die Nachtigall stört, 1962 großartig verfilmt mit Gregory Peck) beschieden. Harper Lee versuchte nicht einmal, an den Erfolg anzuknüpfen, sie publizierte einfach nichts mehr und gab auch keine Interviews. Jetzt ist plötzlich ein zweites Manuskript aufgetaucht, das vorher geschrieben wurde, die Erzählung jedoch weiterspinnt, „To set a watchman“, „Geh hin, stelle einen Wächter“. Wie das Manuskript gefunden wurde, darum spinnen sich die abenteuerlichsten Gerüchte, und böse Zungen behaupten, Harper Lee sei aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters und ihres Gesundheitszustandes gar nicht mehr in der Lage gewesen, eigene Entscheidungen zu treffen. Großes Geschäft oder literarische Sensation? Wie auch immer – eigentlich ein guter Anlass, den Klassiker um eine Kindheit in Alabama in den 30er Jahren, um Rassismus und Diskriminierung einmal wiederzulesen.

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