(Wieder)Gesehen nach 25 Jahren: Thelma und Louise

Ich schreibe fleißig an meinem neuen Roman, er wird im Januar 2017 erscheinen und „Kleine Verbrechen erhalten die Freundschaft“ heißen. Wie man sich denken kann, kein Line-Roman, sondern eine Art Roadmovie, das in ganz Deutschland spielen wird. Aber zur Beruhigung, alle drei Helden stammen aus Stuttgart.

Zur Inspiration habe ich mir einen Klassiker angeschaut: Thelma und Louise.

Dass die Hauptfigur meines Romans Luise heißt, ist übrigens Zufall! Das soll eine Hommage sein an die wunderbare schwäbische Dichterin Luise Drissler aus meiner Heimatstadt Gerlingen. Doch zurück zum Film. Der war damals, 1991, eine echte Sensation. Das Genre Roadmovie war bis dahin eine Männerdomäne, man denke nur an Easy Rider. Und dann schickt Regisseur Ridley Scott (Blade Runner) zwei Frauen auf eine Reise in den amerikanischen Westen: die chaotische Thelma (Geena Davis) und die lebenskluge, besonnene Louise (Susan Sarandon). Dass Thelma für Trouble sorgen wird, ist von Anfang an klar. Sie lässt sich in einem Country Club mit einem schmierigen Typen ein, der dann auf dem Parkplatz versucht, sie zu vergewaltigen. Louise erschießt ihn im Affekt – und damit beginnt eine verrückte, atem- und bedingungslose Flucht durch den amerikanischen Westen, mit toller Musik (nicht nur von Hans Zimmer, der auch für Fluch der Karibik zuständig war, sondern auch mit so zeitlosen Songs wie „I can see clearly now“ oder „Ballad of Lucy Jordan“) und grandiosen Bildern aus den Nationalparks und dem Grand Canyon. Dieser zutiefst feministische Film erzählt von der Suche und der Sehnsucht zweier Frauen nach Selbstbestimmung und Freiheit, auch sexueller. Hier sorgt als Nächstes ein blutjunger, sehr cooler Brad Pitt als Cowboy für Trouble. Harvey Keitel als besorgter Polizist Hal versucht vergeblich, die Katastrophe zu verhindern. Wahrscheinlich hat jede/r, der den Film damals gesehen hat, die Schlussszene im Kopf, wie Louise Gas gibt, die beiden Frauen sich an den Händen halten und das Auto in den Grand Canyon stürzt – doch der Regisseur friert das Bild in diesem Augenblick ein. Ende! Ein weiser Entschluss und sehr viel eindrücklicher als der ursprünglich geplante Schluss, bei dem der Zuschauer ihn quälender Langsamkeit zusieht, wie das Auto in Zeitlupe in die Tiefe stürzt, die Polizisten aufspringen, der Helikopter über den Canyon fliegt, Hal an den Rand des Canyons rennt. Das hätte dem Ende doch sehr viel genommen. Kernthema des Films ist die Freundschaft. So unterschiedlich die beiden Frauen sind, so sehr sich Louise immer wieder über Thelmas Chaosaktionen ärgert, letztlich halten sie zusammen – bis in den Tod. Thelma und Louise: absolut (wieder)sehenswert!

P.S. Das Ergebnis des EU-Referendums wird erst morgen früh um sieben Uhr in Manchester verkündet – also acht Uhr deutsche Zeit. Zitterzitter… Und ÜBRIGENS ist mir erst gerade eben klargeworden, dass es gar nicht um Großbritannien geht. Nordirland stimmt nämlich mit ab. Und wenn wir ganz korrekt sind, dann besteht Großbritannien aus England, Wales und Schottland, und das Vereinigte Königreich schließt Nordirland mit ein. Damit sind alle Journalisten, die von „Britain“ bzw „Großbritannien“ sprechen, schluderig, und der Begriff BREXIT müsste eigentlich UKexit heißen!!

P.P.S. Kurzentschlossenen aus der Region Reutlingen sei wärmstens empfohlen, sich morgen Abend in Reutlingen im franz K. das Konzert der beiden Chöre Africor und Arts Revelation anzuhören. Ein Kooperationsprojekt eines Chors aus Tübingen unter der Leitung der entzückenden Susanne Frische, und dem südafrikan. Chor Arts Revelation. Es wird gesungen, getrommelt, getanzt, geklatscht. Mitreißend, umwerfend, fantastisch, berührend und musikalisch einfach fabelhaft. Mehr unter http://www.afrikor.de!

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