Gesehen. Die Frau des Nobelpreisträgers

Der Blog wünscht allen Leserinnen und Lesern ein gesundes, glückliches Jahr 2019! Zum Jahresanfang ein kleiner Filmtipp für einen Film, bei dem die Gefahr besteht, dass er untergeht, was aber schade wäre, da er absolut sehenswert ist.

„Die Frau des Nobelpreisträgers“ heißt auf Englisch schlicht „The wife“, und das ist auch gut so, denn damit gibt der englische Titel weniger preis als der deutsche. Leider hat die Stuttgarter Zeitung in ihrer Filmkritik ebenfalls extrem gespoilert, was ich hier nicht tun werde. Besser ist, sich diesen Film anzuschauen, ohne allzuviele Details zu wissen. Ja, es geht um ein nicht mehr ganz junges amerikanisches Ehepaar, Joan und Joe Castleman, und Joe bekommt den Nobelpreis für Literatur. Schön, sollte man meinen. Bloß, warum guckt seine Frau Joan immer so säuerlich? Gönnt sie ihrem Mann den Erfolg etwa nicht? Joan wird gespielt von einer absolut fabelhaften Glenn Close, die ich früher als Schauspielerin nie besonders mochte, die in dieser Altersrolle mit schlohweißen Haaren aber zu großer Form aufläuft. Ihr Minenspiel verrät alles und doch wieder nichts. Allzuviel Handlung hat dieser Film nicht – die beiden reisen mit ihrem Sohn nach Stockholm zur Preisverleihung, und dann…

Ja, es geht in diesem Film um Literatur und den Nobelpreis und die Rituale drumherum. Es geht aber um viel mehr, nämlich um eine langjährige Beziehung, die sich in einer Lebenslüge eingerichtet hat, und zumindest Joe Castleman (Jonathan Pryce) hat diese Lüge so sehr verinnerlicht, dass er selber daran glaubt. Es geht aber auch um Familien, um die Beziehung zum Sohn, der ebenfalls Schriftsteller ist und vergebens um die Anerkennung seines Vaters kämpft. Und vor allem geht es um Geschlechterrollen, scheint es sich hier doch um den klassischen Fall von „Frau hält erfolgreichem Mann den Rücken frei“ zu handeln. Doch aus dieser Konstellation bricht Joan immer mehr aus. Wie die Ehe von Joan und Joe also immer größere Risse bekommt, wie Joan immer mehr aus der Rolle fällt, wie sie sich schließlich Kämpfe und Streits liefern, dass es kracht, das ist großartig gespielt, ist manchmal extrem drastisch und stellenweise auch saukomisch… Es wäre schade, wenn dieser feine Film mangels Publikum gleich wieder von den Leindwänden verschwände!

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