Selbsttest: Parkrun

Jeden Samstag um neun Uhr treffen sich Läufer auf der ganzen Welt beim Parkrun – offen für jeden, der Lust hat. Einzige Voraussetzung ist eine einmalige Registrierung. Ein Selbsttest in Stuttgart am Kräherwald.

Es ist eine tolle Idee – das Wochenende mit einem gemeinsamen Fünf-Kilometer-Lauf zu beginnen. Parkrun ist eine weltweite Bewegung, bei der es um Freude am Laufen, Fitness und Geselligkeit geht. Jeder kann mitmachen, auch Kinder sind willkommen, und wer nicht joggen will, kann walken. Vorher muss man sich einmalig online registrieren, das ist unkompliziert und geht ganz schnell. Man druckt sich einen Barcode aus, gewissermaßen den Parkrun-Pass. Mit diesem Barcode kann man dann in der ganzen Welt – und das ist wörtlich gemeint – an Parkruns teilnehmen.

In Stuttgart treffen sich die Parkrunner samstags um neun beim MTV am Kräherwald für die fünf Kilometer. Das lohnt ja kaum, denke ich. Ich stelle mir vor, man läuft locker nebeneinander her und quatscht gemütlich und merkt gar nicht so richtig, dass man läuft. Als ich eintreffe, ist schon eine Gruppe von etwa vierzig Läuferinnen und Läufern versammelt, auch Kinder sind dabei. Es wird ziemlich viel Englisch gesprochen – wie sich später herausstellt, ist der Parkrun nicht nur, aber auch ein Treff von Expats aus Großbritannien, Irland und den USA. Das mag daran liegen, dass auch Chris, der Laufleiter und Gründer der Stuttgarter Gruppe, halber Brite ist. Der begrüßt dann auch alle sehr freundlich und gibt das Kommando zum Start.

Ach du liebe Güte! Ich kann gar nicht so schnell gucken, das ist der größte Teil der Gruppe schon in einem Affenzahn davongezischt. Chris hat erklärt, dass der Rekord auf der Strecke bei 16 Minuten liegt. Offensichtlich ist das hier kein lockerer Lauf, sondern es geht wirklich um die Zeit! Ich keuche hinterdrein. Die Strecke ist hervorragend markiert und es gibt sogar Streckenposten, die den Weg weisen, freundlich winken und motivierend klatschen. Das tut gut. Überhaupt sind alle, die den Parkrun organisieren, sehr, sehr nett. Fünf Kilometer, das merke ich nun, können seeehr lang sein, wenn man
a) untrainiert ist
b) nicht gefrühstückt hat
c) Heuschnupfen hat.

Wir laufen zweimal die gleiche Runde, es geht ziemlich viel auf und ab. Das AB ist herrlich, das AUF ist grausam. Nach ungefähr zwei Kilometern schaffe ich es immerhin, einen Vater mit seiner Tochter zu überholen (die ist ungefähr acht). Super, was? Nach der ersten Runde reicht es mir eigentlich, aber das Team am späteren Ziel klatscht und johlt, da kommt Aufgeben natürlich nicht in Frage. Irgendwie schaffe ich es dann durch die zweite Runde, und wieder werde ich mächtig beklatscht, die meisten sind ja längst da! Die Letzte bin ich nicht, immerhin, ein paar waren doch noch hinter mir. Ganz am Ende kommt eine Schlussläuferin, die dafür sorgt, dass niemand verloren geht. Beim Zieleinlauf habe ich einen Chip bekommen, dann wird meine Karte gescannt. Daheim finde ich schon eine Mail vor, die mir sagt, dass ich als 30. von insgesamt 38 angekommen bin, 34:35 Minuten gebraucht habe und dies einem alterskorrigierten Leistungswert von 49,69% entspricht. Ich bin nicht sicher, ob ich das so genau wissen will…
„Es geht nicht um die Geschwindigkeit“, hat mir eine der Läuferinnen versichert. „Man kann auch walken. Im Sommer sind viele Gäste aus Australien und Südafrika hier, die walken gern.“ Aha, das ist nämlich auch noch so ein Nebeneffekt von Park Run: da man es auf der ganzen Welt machen kann, sind auch Touristen dabei. Echte Völkerverständigung also! Und umgekehrt könnte man selber auch in Südafrika oder Kanada laufen!

Nach dem Parkrun treffen sich alle, die Lust haben, am Killesberg im Café Treiber. Dort sind zwei Tische reserviert. Ungefähr zehn Leute sind dabei, die alle Englisch sprechen, es wird gemeinsam gefrühstückt und gequatscht, und natürlich geht es um den Brexit – einer der englischen Teilnehmer hat gerade seinen deutschen Pass bekommen. Meine sportliche Leistung kann sich sicher noch steigern, aber egal – es hat Spaß gemacht, war super organisiert und ich habe nette Leute kennengelernt!

Mehr unter
http://www.parkrun.com.de/Kraeherwald

Ach, und sehr nette Leute gab es auch bei unserer Lesung im Schlosskeller in Wernau – ein quietschvergnügter Abend mit einem super Publikum!! Vielen Dank an alle Besucherinnen und Besucher!!

P.S. Es gibt einen weiteren tollen Film im Kino zu sehen – Beale Street. Diese romantische Liebesgeschichte nach einem Roman von James Baldwin spielt im Harlem der 70er Jahre. Dort verlieben sich Tish und Fonny. Fonny wird der Vergewaltigung angeklagt und kommt unschuldig ins Gefängnis, er hat leider die falsche Hautfarbe. Tish entdeckt, dass sie schwanger ist. Zusammen mit ihrer Familie versucht sie, Fonnys Unschuld zu beweisen. Wunderbare Schauspieler und eine tiefe Melancholie durchziehen diesen absolut sehenswerten Film, fast so traurig wie Romeo und Julia und fast ausschließlich mit schwarzen Schauspielern besetzt…

P.P.S. Jetzt Karten sichern für die Wiederaufnahme von „Allein unter Schwaben“ im Theater der Altstadt, nur zehnmal im Juli! Alles Weitere unter http://www.theater-der-altstadt.de! Achtung, die Vorstellung „Peace“ des Nairobi Hope Theatres am 25. März beginnt um 19.30 Uhr, im Flyer steht fälschlicherweise 19 Uhr!

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