Sodom und Gomera

Die Komödie im Marquardt in Stuttgart macht richtig Spaß mit „Koi Auskomma mit dem Einkomma“ und die Bloggerin gerät versehentlich aufs Abstellgleis.

Kann eine Komödie, die ursprünglich auf Plattdeutsch geschrieben und 1957 mit Heidi Kabel in der Hauptrolle am Hamburger Ohnsorg Theater gespielt wurde, 2020 auf Schwäbisch in Stuttgart unter nicht-schwäbischer Regie funktionieren? Sie kann. Das liegt nicht nur daran, dass das Thema „Wohnungsnot“ brandaktuell ist, sondern auch an der Regie und den Darstellern, die die leichte Komödie ernst nehmen und mit viel Spaß präsentieren.

Sabine und Eberhard wollen ihre magere Rente aufbessern und einen Untermieter aufnehmen. Die Fassade des Hinterhofs lässt sich ziemlich eindeutig als der Stuttgarter Westen identifizieren. Sabine will einen jungen Mann, klar, und der Ebbe ein Mädle. Unabhängig voneinander vermieten beide das Zimmer. Der junge Mann schafft nachts und schläft tags, das Mädle schafft tags und schläft nachts. Koi Problem, also, doppelt vermietet, macht doppelte Miete!

Die Wiedererkennbarkeit der Figuren und Situationen ist hoch, die Vorhersehbarkeit auch, aber das tut der Sache keinen Abbruch. Das liegt daran, dass Axel Preuß, der Intendant, der selber Regie führt und ein großer Fan des „Ohnsorg“ ist, die Geschichte liebevoll inszeniert und bis in die Nebenrollen glänzend besetzt hat. Moni Hirschle (die auch die Übertragung ins Schwäbische besorgt hat) und Reinhold Weiser passen wunderbar zusammen und man kann sie sich problemlos als langjähriges schwäbisches Ehepaar im dritten Stock eines Mietshauses irgendwo im Stuttgarter Westen vorstellen. Lisa (Antonia Leichtle) und Tom (Jörg Pauly) als Untermieter bilden dazu das frische-junge Gegenstück, ihnen hätte man vielleicht ein klein wenig mehr gemeinsame Romantik für ihre Liebesgeschichte gewünscht. Jörg Pauly hat stattdessen eine wunderbar leichte Luftballon-Szene. Den anrührendsten Moment beschert Volker Jeck als älterer Nachbar, als er allein auf der Bühne beschließt, sich nicht mehr von seiner herrischen Alten tyrannisieren zu lassen. Noch ein paar mehr Bezüge zu Stuttgart hätten dem Stück nicht geschadet, aber auch so ist die Gagdichte hoch: Sodom und Gomera! Dem Publikum macht es sichtlich großen Spaß, ein Stück komplett auf Schwäbisch und mit hohem Entspannungsfaktor in schwierigen Zeiten zu sehen, und hinterher wird kräftig gefeiert.

Applaus für Rose Kneissler als Frau Hauser

DarstellerInnen und Regisseur Axel Preuß präsentieren sich bei der Premierenfeier

Und das mit der Bloggerin auf dem Abstellgleis muss aus Zeitgründen bis zum nächsten Mal warten!

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